Mode: Ein Franchise, das für Unabhängige teuer sein kann

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Die Unabhängigkeit, die Franchising bietet, ist nicht ohne Risiken, wie der Fall von Esprit in der Schweiz zeigt.

Auf Schweizer Boden gibt es rund zwanzig Esprit-Franchises, darunter eines in Avry Centre, Montreux, Nyon, Morges, Yverdon und Bern. © Keystone

Auf Schweizer Boden gibt es rund zwanzig Esprit-Franchises, darunter eines in Avry Centre, Montreux, Nyon, Morges, Yverdon und Bern. © Keystone

Veröffentlicht am 25.05.2024

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Verwechslung mit deiner großen Schwester. Der Fehler bringt Franchise-Marken in Verlegenheit. Die Schweizer Tochtergesellschaft von Esprit kündigte in diesem Frühjahr die Schließung eigener Stores an. Sie konzentriert sich lieber auf ihre Partnerschaften und den Online-Handel. Insbesondere die Boutiquen der Bekleidungsmarke in Lausanne, Vevey, Genf und Neuchâtel haben ihre Aktivitäten eingestellt. Von diesem Strategiewechsel sind rund fünfzehn Marken betroffen.

Franchise-Verkaufsstellen sind von den Schließungen nicht betroffen. In diesem Fall gehört das Geschäft einem Unabhängigen, der Artikel der Marke kauft und dann verkauft. Auf Schweizer Boden gibt es rund zwanzig Esprit-Franchises, darunter eines in Avry Centre, Montreux, Nyon, Morges, Yverdon und Bern.

Der Kunde geht fälschlicherweise davon aus, dass diese Geschäfte ihren Betrieb eingestellt haben. Rund 150 Multibrand-Stores wie etwa Coop City verkaufen weiterhin die Kollektionen der Marke.

Ein gemütliches Kissen

Für den Unternehmensrechtler und Franchise-Spezialisten Marc Haesler hat das Unternehmen ein großes Interesse daran, seine Franchisenehmer bei der Entwicklung ihres Geschäfts zu unterstützen. „Das gilt umso mehr in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“, glaubt er. Und denken Sie daran, dass die Vergütung des Franchisegebers vom Umsatz des Franchisenehmers abhängt.

Nach Ansicht des Experten sollte dieses Modell kein Faulpelz für die Marke sein, die auch in Schulung und Marketing für den Franchisenehmer investieren muss.

„Ein Franchisenehmer ist ein Unabhängiger, der seinen Arbeitsplatz verliert und seinen Lohn zahlen muss.“
Marc Häsler

Auf rechtlicher Ebene bleibt der Handlungsspielraum dennoch sehr begrenzt. „Das Franchise kommt im Schweizer Recht nicht vor“, fährt der Spezialist fort. Hierbei handelt es sich um eine Form des Privatvertrags, der im Gegensatz zu einem Arbeits- oder Mietvertrag kaum gesetzlich geregelt ist. Es ist auch schwierig, einen Franchisevertrag zu kündigen, der 5 bis 7 Jahre läuft.

Allerdings ist diese Form der Partnerschaft für den Franchisegeber nicht ohne Reputationsrisiken. McDonald’s wurde somit zum Hauptziel, nachdem sein Franchise-Unternehmen in Israel im vergangenen November bekannt gab, dass es der israelischen Armee Tausende kostenlose Mahlzeiten anbieten würde.

Shein im Hinterhalt

Im Bekleidungssektor hatten Kookaï, Camaïeu, San Marina und sogar Pimkie vor Esprit mit Gegenwind zu kämpfen. Diese Marken werden durch die Einführung von herausgefordertUltraschnelle Mode Chinesisch. Shein bietet Kleider und Hosen für 15 Franken an. Mittelklasse-Bekleidungsketten können oft nicht mithalten. Der Wert von Shein erreicht mehr als 100 Milliarden Franken, mehr als Zara und H&M zusammen.

Die Schweizer Tochtergesellschaft von Esprit begründet ihre Neuorganisation mit steigenden Energie- und Logistikkosten. Sie weist zudem auf ein düsteres Konsumklima und hohe Mieten in der Schweiz hin.

Zu wenige Verbraucher

Franchise-Unternehmen sind in der Modebranche und allgemein im Verkauf weit verbreitet. Das symbolträchtigste Beispiel: McDonald’s. Etwa 95 % der mehr als 42.000 Restaurants der amerikanischen Gruppe sind Franchise-Restaurants, die nach einer ersten Zahlung für den Kauf der Markenlizenz Lizenzgebühren an den multinationalen Konzern zahlen.

Aufgrund der Kleinheit des Marktes und der Mehrsprachigkeit handelt es sich laut Marc Haesler jedoch um eine Nischenbranche auf Schweizer Boden. „Die Schweiz verfügt nicht über die riesige Konsumentenbasis der USA“, betont der Anwalt. Er weist auch auf eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Unternehmertum in unseren Breitengraden hin. „Ein Franchisenehmer ist ein Unabhängiger, der seinen Arbeitsplatz verliert und seinen Lohn zahlen muss“, betont er.

Hinzu kommt das Problem der Finanzierung. Marc Haesler gibt an, dass dieses Partnerschaftsmodell bei Schweizer Banken weniger bekannt ist als bei französischen Banken, die über eigene Abteilungen verfügen.

Französisches Interesse

Französische Unternehmen hätten ein finanzielles Interesse daran, diese Lösung in der Westschweiz einzusetzen, so der Experte. Allerdings müssen sie sich zwei Hürden stellen: den Personalkosten und höheren Mieten. Ohne die Beschränkungen bei der Einfuhr von Waren zu vergessen.

Auch Schweizer Franchise-Netzwerke entwickeln sich. La Petite Epicerie beispielsweise verkauft Selbstbedienungsbehälter. Weitere Schweizer Franchises: Migrolino, Brezelkönig und Dieci.

Marc Haesler betont, dass der Markt dynamisch ist, mit Franchises in Schwierigkeiten wie Va Piano und anderen in einer Wachstumsphase wie Pokawa, die beide im Catering tätig sind. Eine kleine Anzahl bekannter Schweizer Konzerne hat schließlich auch Franchises im Ausland, wie zum Beispiel Swatch.

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