Rate: Ein Goldlöckchen-Szenario währt nie ewig

Rate: Ein Goldlöckchen-Szenario währt nie ewig
Rate: Ein Goldlöckchen-Szenario währt nie ewig
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Seit Oktober 2022 befinden sich die Aktienmärkte auf einem schmalen Pfad, der wenig Raum für Zweifel lässt. Wir finden vier Säulen, die die aktuelle Bewegung erklären: die Inflation im Abwärtstrend, die Rückkehr zu einer akkommodierenden Geldpolitik, eine sanfte Landung der amerikanischen Wirtschaft, unterstützt durch die durch KI erzeugten Produktivitätssteigerungen.

Obwohl sich die Geschichte nicht unbedingt auf die gleiche Weise wiederholt, ist sie dennoch ein wertvoller Leitfaden, auf den man zurückgreifen kann, um die aktuelle Tektonik und ihre möglichen Auswirkungen zu verstehen. Somit hat die anhaltende Aufwärtsrallye in den Vereinigten Staaten seit Oktober ihren Ursprung sowohl in makroökonomischen (Geldpolitik, Inflation) als auch mikroökonomischen (IA, NVDA und andere) Komponenten. Seit Monaten sind die Statistiken weder zu heiß noch zu kalt. Eine Art Goldlöckchen-Szenario. Leider zeigen uns frühere Episoden, dass ein solches Umfeld nicht ewig anhält und das Ende nicht immer wie erwartet ausfällt.

Zwei mögliche Szenarien

In den Jahren 2000 und 2007 verlangsamte sich das Wachstum so stark, dass die Risiken einer harten Landung für die amerikanische Wirtschaft zunahmen. Damit sind die zuvor im Sinne des Goldlöckchen-Szenarios positiv interpretierten schlechten Nachrichten erneut zu schlechten Nachrichten geworden und haben zu einem Rückgang an den Aktienmärkten geführt. Als Reaktion auf die Rezessionsgefahr leitete die Fed daher eine Reihe von Zinssenkungen ein, um den Schock abzufedern. Die entscheidende Frage ist, ob das aktuelle Zinsniveau in den Vereinigten Staaten ausreichend restriktiv ist, um das Wachstum nicht zu sehr zu belasten, und gleichzeitig ausreichend restriktiv, um die Inflation wieder auf 2 % zu bringen. Im Moment ist die Debatte noch offen, auch wenn einige Akteure glauben, dass der Gleichgewichtszins sicherlich über dem liegt, was die Fed denkt. Das heißt, das Wachstum wird sich etwas verlangsamen, aber die Inflation wird anhaltend hoch bleiben, so dass die Federal Reserve ihre Zinsen nicht senken kann.

Schlimmer noch: Mit zunehmender Konjunkturentwicklung beschleunigt sich die Inflation wieder, wie es in den 1970er Jahren der Fall war, als mehrere Zinserhöhungszyklen erforderlich waren, um den Preisanstieg nachhaltig einzudämmen.

Jüngste Statistiken zeigen zwar einen Rückgang der Inflation und eine Konjunkturabschwächung (BIP niedriger als erwartet, PMI-Indizes und Einzelhandelsumsätze rückläufig), aber bisher ist nichts signifikant genug, um den Aufwärtstrend und die damit verbundene Erzählung zum Scheitern zu bringen. Es wird sicherlich noch einige Monate – und weitere makroökonomische Daten – brauchen, um Licht in unsere Situation zu bringen und einem Szenario mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen als einem anderen.

Mittlerweile hat sich die Rendite der 10-jährigen US-Anleihe dank ihrer Unterstützung bei 4,33 % erholt, muss aber 4,51 % überschreiten, um ihren April-Höchststand von 4,74 % zu erreichen. Gleichzeitig erholte sich die deutsche Bundesanleihe deutlich auf 2,39 %, um ihre anhaltende Aufwärtsstruktur seit Dezember 2023 beizubehalten.

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