Zwei Kandidaten, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und die weltweiten Spitzenpolitiker nervös machen. Denn die Wahl in den USA hat auch auf den Rest der Welt massive Auswirkungen.
In den Hauptstädten von Berlin über Moskau und Paris bis Jerusalem hat man sich längst festgelegt. BILD zeigt, wen die Staats- und Regierungschefs insgeheim anfeuern – und wer sich was von der nächsten US-Regierung verspricht.
Olaf Scholz
Bundeskanzler Olaf Scholz (66, SPD) hat ein starkes Band zu Joe Biden (81) geknüpft, ein Wahlsieg von Bidens Vizepräsidentin Kamala Harris wäre für ihn das ideale Szenario.
Der Politologe Thomas Jäger (64) zu BILD: „Ihm wäre wohl am liebsten gewesen, Biden bliebe Präsident.“ Biden sei verlässlich und planbar gewesen und Scholz hoffe nun, dass Harris daran anknüpfen würde.
▶︎ Scholz dürfte Biden wehmütig hinterherschauen: „Ich habe mich immer gut mit ihm verstanden.“
Emmanuel Macron
Der französische Präsident Emmanuel Macron (46) hingegen hat eine flexible Haltung. „Er war der Trump-Versteher der Verbündeten der USA, bevor er sich mit ihm überwarf“, so Jäger zu BILD. Daran werde er anknüpfen wollen. Doch Harris’ pragmatischer Stil käme ihm eher entgegen, besonders, wenn es um seine Vision einer strategisch autonomen EU geht.
▶︎ Macron meint: Ich kann mit beiden.
Wladimir Putin
Wladimir Putin (72) hat nicht nur eine klare Präferenz, er ließ sogar seine Hacker los, um Donald Trump zu unterstützen. Das Ziel des Kremlchefs: Das amerikanische System als korrupt darzustellen. „Putin will Trump, weil er weiß, wie er mit ihm spielen kann“, erklärt Jäger. Das habe er in dessen erster Amtszeit schon bewiesen.
Allerdings beklagte sich Putin erst im September, dass während Trumps Amtszeit so viele Beschränkungen und Sanktionen gegen Russland gegolten hätten wie nie zuvor. Ein Beispiel: die Sanktionen gegen Nord Stream 2.
▶︎ Der Politologe glaubt dennoch: Putin will Trump. Denn der würde ihm wohl die Ukraine ausliefern.
Recep Tayyip Erdogan
Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (70) hofft auf einen Trump-Sieg. „Denn mehr noch als Putin hat Trump ihn zum Vorbild“, beurteilt der Politologe. „Ein autoritärer Herrscher in einem demokratischen Staat, auf den alle hören: Militär, Polizei, Justiz.“
▶︎ Trump bewundert Erdogan und das wird diesem gefallen.
Keir Starmer
Der britische Premierminister Keir Starmer (62) würde lieber Harris im Weißen Haus sehen. „Denn sie steht ihm politisch viel näher als Trump“, beurteilt Jäger. So wie sein Vorgänger Boris Johnson (60) Trump als Kumpel sah, sehe Starmer Harris als „pragmatische Verbündete“.
▶︎ Mit Harris könnte er eine stabilere transatlantische Beziehung aufbauen, die den britischen Interessen deutlich näherkäme.
Wolodymyr Selenskyj
Wolodymyr Selenskyj (46) hat eine klare Präferenz: Harris. „Und er wird mehr als andere auch darauf achten, wie die Mehrheiten im Kongress aussehen“, erklärt Jäger im Gespräch mit BILD. Die weitere militärische Unterstützung der Ukraine in ihrer Verteidigung stehe für ihn über allem.
▶︎ Und die ist bei Harris und zwei von den Demokraten bestimmte Kammern im Kongress am sichersten.
Viktor Orbán
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán (61) drückt Trump die Daumen. Jäger: „Er will Trumps Statthalter in der EU werden.“ Mit seiner positiven Haltung zu Russland eckt Orbán in der EU regelmäßig an, doch mit Trump im Weißen Haus kann er auf mehr Rückendeckung hoffen.
► Orbán hat bereits angekündigt, mit Champagner feiern zu wollen, falls Trump gewinnt.
Benjamin Netanjahu
Der israelische Premier steht in einer Zwickmühle: Zwar hat Benjamin Netanjahu (75) auch unter Biden gute Beziehungen gepflegt, doch mit Trump hatte er ein regelrecht goldenes Zeitalter. Trump verlegte die Botschaft nach Jerusalem und stärkte Israel in seinem Konflikt mit dem Erzfeind Iran. Aber: „Dass Netanjahu gut mit Biden auskam, nahm Trump ihm übel“, berichtet der Politikwissenschaftler. Und: Auch Harris würde die Unterstützung für Israel weiterführen.
► Netanjahu drückt Trump zumindest einen Daumen. „Denn der versteht besser, warum man im Amt bleiben will, um nicht vor Gericht zu landen“, so Jäger.