Trotz sehr kritischer Meinung nutzen 75 % der Schweizer täglich soziale Netzwerke – rts.ch

Trotz sehr kritischer Meinung nutzen 75 % der Schweizer täglich soziale Netzwerke – rts.ch
Trotz sehr kritischer Meinung nutzen 75 % der Schweizer täglich soziale Netzwerke – rts.ch
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Harvard University, 4. Februar 2004. Die Adresse „thefacebook.com“ wird erstellt. Zwei Jahrzehnte später feiert Facebook (Meta), das erste weltweit bekannte und anerkannte soziale Netzwerk, sein 20-jähriges Jubiläum. Ein Jubiläum, das Gelegenheit bietet, Bilanz über das Verhältnis der Schweizer Bevölkerung zu den sozialen Medien zu ziehen.

SixDegrees.com im Jahr 1997, MSN und Blogger im Jahr 1999, MySpace und Friendster im Jahr 2002: Der Eintritt ins dritte Jahrtausend lässt sich nicht auf den Jahr-2000-Bug reduzieren, ganz im Gegenteil. In diesem entscheidenden Moment in der Geschichte der Informatik entstanden vor allem soziale Netzwerke. Und im Jahr 2004 spielte Facebook die Rolle des Katalysators dieser beginnenden digitalen Revolution und beschleunigte auf globaler Ebene die Transformation unserer Sozialisierungspraktiken online und manchmal auch offline …

Kommen Sie und diskutieren Sie mit der ganzen Schweiz!

Soziale Netzwerke sind heute im Leben einer deutlichen Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer allgegenwärtig. Nach den Ergebnissen einer SSR-Umfrage, die zwischen April und Mai 2023 unter 57.000 Menschen durchgeführt wurde, geben 75 % der Befragten an, sie mindestens einmal täglich zu nutzen. Und nur 5 % der Bevölkerung geben zu, diese Plattformen nie zu nutzen.

Frauen nutzen soziale Netzwerke viel häufiger als Männer (71 % der Frauen geben an, dass sie „mehrmals am Tag“ dorthin gehen, verglichen mit 62 % der Männer).

Auch junge Menschen sind viel häufiger auf den Plattformen unterwegs als ältere Menschen (81 % der 16- bis 39-Jährigen antworten „mehrmals am Tag“ im Vergleich zu 47 % der über 65-Jährigen).

Schließlich nutzen 81 % der Französischsprachigen und 80 % der Italienischsprachigen sie mindestens einmal täglich. In der Deutschschweiz sinkt dieser Anteil auf 76 % und in der rätoromanischen Schweiz auf 64 %.

Das Smartphone, dieses Trojanische Pferd in Ihrer Tasche

Diese (R)Evolution wurde durch den Aufstieg von Smartphones – das erste iPhone wurde 2007 auf den Markt gebracht – und ihren mobilen Anwendungen vorangetrieben, die das Internet und soziale Netzwerke jederzeit und fast überall zugänglich machen.

So ist heute in der Schweiz das Smartphone das mit Abstand am häufigsten genutzte Gerät, um im Internet zu surfen. Neun von zehn Befragten nutzen es mehrmals täglich.

Bei den Jüngsten (16–39 Jahre) liegt dieser Anteil bei 96 %. Die Hälfte der Befragten dieser Altersgruppe gibt an, „fast ständig“ über ihr Handy online zu sein, Frauen sogar mehr als Männer.

Beantworten Sie einige Fragen der Umfrage und vergleichen Sie sich mit dem Rest der Schweiz:

Unzufriedene Abhängigkeit

Für Michael Latzer, Professor für Kommunikation und Medien an der Universität Zürich, „unterstreichen die Ergebnisse dieser Umfrage die hohe Bedeutung – ja sogar die Abhängigkeit – der Schweizerinnen und Schweizer von diesen digitalen Diensten, die als tägliche Routine oder Ritual genutzt werden.“

Doch trotz dieser intensiven Nutzung sozialer Netzwerke im Alltag – insbesondere über Smartphones – stehen die Schweizer den Plattformen durchaus kritisch gegenüber.

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So glaubt nur eine Minderheit, dass soziale Medien ihr Leben bereichert haben (4 % stimmen dieser Aussage voll und ganz zu, 30 % stimmen eher zu). Diese Einschätzung wird auch von den jüngeren Bevölkerungsschichten geteilt.

Darüber hinaus halten sich 17 % der Befragten für abhängig von sozialen Medien (2 % stimmen dieser Aussage voll und ganz zu, 15 % stimmen eher zu). Bei den Jüngsten (16-39 Jahre) steigt der Anteil auf fast ein Drittel (4 % „stimme völlig zu“, 28 % „stimme eher zu“).

Sehen Sie sich eine Auswahl ausführlicher Artikel aus der ganzen Schweiz zu diesem Thema an:

Finger weg, Kinder schützen und kritisch bleiben

Fast alle Befragten sind der Meinung, dass Menschen wieder direkt miteinander interagieren sollten (92 % stimmen eher oder voll und ganz zu). Frauen stimmen dieser Ansicht stärker zu als Männer (65 % stimmen voll und ganz zu gegenüber 54 %) und ältere Menschen eher als junge Menschen (70 % gegenüber 52 %).

Auch die Idee, Kinder möglichst lange von sozialen Medien fernzuhalten, wird deutlich unterstützt (69 % stimmen eher oder völlig zu). Bei Frauen ist diese Vorstellung weiter verbreitet als bei Männern (75 % stimmen eher oder völlig zu im Vergleich zu 64 %).

Schliesslich ist eine deutliche Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer der Meinung, dass Menschen ihre Meinung auf der Grundlage immer voreingenommener Informationen bilden und dass soziale Medien unsere Gesellschaft spalten (82 % und 71 % stimmen diesen beiden Vorschlägen eher oder völlig zu).

Hinzu kommt, dass laut Michael Latzer die Gefahren sozialer Netzwerke und des Internets tendenziell „mehr für andere als für einen selbst wahrgenommen werden“. Dies ist der „Dritte-Person-Effekt“. Diese kognitive Voreingenommenheit führt dazu, dass wir den Einfluss von Medienbotschaften auf andere überschätzen und ihren Einfluss auf uns selbst unterschätzen.

Julien Furrer

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