Die Schweizer Dormakaba revolutioniert die Flugsicherheit

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Die amerikanische Fernsehsendung „Good Morning America“ berichtete kürzlich über das Projekt des Heimatschutzministeriums unter Beteiligung von Dormakaba.Bild: ABC/Youtube-Screenshot

Die für ihre Schlüssel- und Türsysteme bekannte Zürcher Gruppe Dormakaba beteiligt sich an einem Projekt zur autonomen Sicherheitskontrolle an amerikanischen Flughäfen. Diese Testphase könnte zu zukünftigen Verträgen führen.

Benjamin Weinmann / ch media

Der Journalist des amerikanischen Fernsehsenders ABC ist begeistert: „Das ist ziemlich cool“, sagt Gio Benitez in seinem Bericht für die beliebte Morgensendung Guten Morgen Amerika. Der Reporter ist am Flughafen von Las Vegas, um ein Projekt vorzustellen, das die Sicherheitskontrollen revolutionieren wird. Mit dabei ist das Zürcher Unternehmen Dormakaba, das auf Zutrittssysteme spezialisiert ist und vor allem für seine Kaba-Schlüssel und -Schlösser bekannt ist. Sein Logo erscheint in der gesamten Sequenz sehr deutlich.

Der Harry Reid International Airport mitten in der Wüste im Bundesstaat Nevada wurde tatsächlich von der Sicherheitsbehörde, dem Department of Homeland Security, ausgewählt, um Kontrollsysteme zu testen. Ziel: Den Fahrgästen größtmögliche Unabhängigkeit zu ermöglichen.

Internationaler Flughafen Harry Reid.Bild: AP

Sie legen daher zunächst wie gewohnt ihren Koffer, ihre Handtasche oder ihren Rucksack in einen Mülleimer und schieben ihn auf das Förderband. Das Sicherheitspersonal, das in den USA oft lautstark Anweisungen durch den Saal ruft, ist verschwunden. Ihre Arbeit wird weitgehend durch die Anwesenheit von Kameras und Sensoren ersetzt. Bei Schwierigkeiten kontaktieren wir per Videoanruf einen Sicherheitsmitarbeiter.

Überflüssiges Personal

Als nächstes kommt der sogenannte Bodyscan – und hier kommt Dormakaba ins Spiel. Bisher überwachte Sicherheitspersonal den Durchgang durch den Metalldetektor. Doch der Test in der „Stadt der Sünde“ beweist, dass für diesen Schritt auch Menschen entfernt werden können. Stattdessen öffnen und schließen sich die automatischen Schiebetüren von Dormakaba am Scanner.

Die für ihre Schlüssel- und Türsysteme bekannte Zürcher Dormakaba-Gruppe beteiligt sich an einem autonomen Sicherheitskontrollprojekt der Regierung an US-Flughäfen. Diese Testphase p...

Sicherheitsinnovation am Harry Reid International Airport in Las Vegas – unter Beteiligung der Schweizer Dormakaba.Bild: AP

Laut einem Regierungsdokument geht es auch hier darum, die Autonomie der Passagiere zu erhöhen und die Körperabtastung sowie die manuelle Gepäckkontrolle zu reduzieren. Die Agenten sollten daher mehr Zeit haben, Reisenden bei Kontrollen behilflich zu sein.

Aber es ist auch ganz klar, dass es die Luftfahrtbranche selbst ist, die diese Automatisierung aktiv vorantreibt. Denn die Erholung nach der Pandemie hat es gezeigt: Die Nachfrage im kommerziellen Flugverkehr wächst stark, gleichzeitig besteht weiterhin Personalmangel. Computergestützte Systeme könnten hier also Abhilfe schaffen, auch wenn sie eine langfristige Bedrohung für die menschliche Arbeit darstellen.

Gute Aussichten für das Auftragsbuch

Laut Dormakaba-Sprecher Patrick Lehn reagiere das Pilotprojekt in Las Vegas nicht auf eine bestimmte Ausschreibung. Berichten zufolge hat das für Transportsicherheit zuständige Heimatschutzministerium nach innovativen Ideen in diesem Sektor gesucht. In Zusammenarbeit mit zwei weiteren Unternehmen, der niederländischen Vanderlande und der deutschen Rohde&Schwarz, stellte Dormakaba dann das Konzept der Selbstkontrolle vor und gewann den Auftrag.

Wenn die praktische Prüfung in Las Vegas erfolgreich verläuft, sollte dies der Fall sein zu Aufträgen für andere amerikanische Flughäfen führen. Nach Angaben des Sprechers könnten die laufenden Tests, die bis mindestens Ende Juni geplant sind, zu einigen Anpassungen führen. Erst an deren Ende würde die amerikanische Transportsicherheitsbehörde (TSA) über eine mögliche Einführung auf nationaler Ebene entscheiden. Bis dahin werden verschiedene Experten aus den Bereichen Ergonomie, Psychologie und Technik das System weiter untersuchen.

Die Region Amerika ist der größte Markt für Dormakaba. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2024 machte es mehr als ein Viertel des Konzernumsatzes aus. Das Zürcher Unternehmen ist bereits an mehreren Flughäfen in den USA vertreten und dort nach eigenen Angaben weltweit führend bei Sicherheitsschleusen, Flugsteigen und Lounges.

Sehr viele Kopfveränderungen

Diese Aussichten dürften die 16.000 Mitarbeiter von Dormakaba in 130 Ländern begeistern. Vor allem, weil sie eine Zeit der Turbulenzen hinter sich haben. Der Deutsche Till Reuter übernahm Anfang des Jahres die Leitung des Unternehmens. Er ist der dritte Regisseur in drei Jahren. Er folgte auf Jim-Heng Lee, der nach zwei Jahren ausschied und selbst die Nachfolge der Französin Sabrina Soussan antrat, die dieses Amt erst seit neun Monaten innehatte.

Till Reuter steht seit Anfang 2024 an der Spitze von Dormakaba.

Till Reuter steht seit Anfang 2024 an der Spitze von Dormakaba.Bild: DR

Zudem kündigte das Unternehmen, dessen Hauptsitz direkt neben dem Flughafen Kloten liegt, im vergangenen Sommer den Abbau von 800 Stellen an, um 170 Millionen Franken einzusparen. In der Schweiz beschäftigte Dormakaba bisher 930 Mitarbeiter in Mont-sur-Lausanne (VD), Rümlang (ZH), Wetzikon (ZH) sowie in St. Gallen.

Blick Im Herbst gab das Unternehmen bekannt, dass auf Schweizer Boden in drei Jahren 183 Stellen abgebaut werden, insbesondere in Rümlang und Wetzikon im Bereich Produktentwicklung und Produktion. Auch Umzüge nach Bulgarien wurden erwähnt.

Macht Technologie kommt in der Schweiz an?

Könnte diese Art der automatischen Steuerung bald hier auftauchen? „Das wäre auch in der Schweiz möglich“, sagt Patrick Lehn. Es gibt Gespräche mit einigen europäischen Flughafenbetreibern. Und ein ähnlicher Test wie in Las Vegas in München. Mehr möchte der Kommunikator aber nicht sagen.

Der Sprecher von Flughafen Genf, Sandy Bouchat, spricht über regulatorische Hindernisse. Autonome Sicherheitskontrollen, wie sie in Las Vegas getestet wurden, erfordern eine EU-Zertifizierung. Im Moment existiert dies noch nicht. Aus diesem Grund arbeitet Genf nicht an Projekten dieser Art.

„Dennoch verfolgen wir die technologischen Entwicklungen in diesem Bereich aufmerksam.“

Darauf angesprochen, Elena Stern, Sprecherin von Der Flughafen Kloten sei grundsätzlich immer offen für neue Technologien wenn sie Abläufe vereinfachen und für die Fahrgäste angenehmer gestalten. Autonome Sicherheitskontrollen stehen derzeit jedoch nicht zur Debatte. Bis dahin müssen die Schweizer Flughäfen noch weitere Lücken schließen: Ab diesem Sommer testet der Flughafen Zürich CT-Scanner, mit denen Passagiere ihre Laptops und Flüssigkeiten im Gepäck lassen können.

Der Flughafen Zürich plant derzeit keine Automatisierung der Sicherheitskontrollen.

Der Flughafen Zürich plant derzeit keine Automatisierung der Sicherheitskontrollen.Bild: Keystone

„Zunächst werden zwei neue Leitungen mit den neuen Geräten installiert“, erklärt Elena Stern. Sie sollten mindestens sechs Monate lang getestet werden:

„Dann werden alle 26 Linien des Kontrollgebäudes modernisiert“

Laut Manuela Witzig, Sprecherin derEuroairport Basel-MulhouseEine autonome Passagierkontrolle steht nicht auf der Tagesordnung. Allerdings werden auch moderne Sicherheitsscanner zur Personenkontrolle eingesetzt. Die neue Technologie würde es ermöglichen, verdächtige Stellen einer Person genauer zu lokalisieren und so die zu tastenden Bereiche erheblich zu reduzieren.

Darüber hinaus ist die Einführung von Gepäckscannern geplant, beispielsweise am Flughafen Zürich. In der Branche sprechen wir von EDS-Geräten: „Explosive Detection Systems“. Nach Angaben des Sprechers wird durch die am Euroairport gewählten Geräte verhindert, dass Passagiere Flüssigkeiten und Computer aus ihrem Gepäck entfernen müssen.

(Übersetzt und angepasst von Valentine Zenker)

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