Diese Schweizer lancieren eine Immobilienplattform für Bienen

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Die meisten Blumen brauchen Bienen, um sich zu vermehren. Bienen wiederum benötigen den Nektar von Blüten, um sich zu ernähren.Bild: bienenschweiz

Interview

Fast 300 Wildbienenarten sind in der Schweiz vom Aussterben bedroht. Warum und wie können wir dieses Massaker begrenzen? Antwort mit Martin Schwegler, Präsident von AbeilleSuisse.

Chantal Stäubli

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Wir alle kennen sie, diese Bilder von endlosen Warteschlangen bei der Wohnungsbesichtigung. Stellen Sie sich nun die gleiche Situation mit hungrigen Insekten vor. Das passiert derzeit mit den Bienen.

Es mangelt ihnen nicht nur an Nahrung, sondern auch an Nistmöglichkeiten. Damit sind fast die Hälfte der 600 Wildbienenarten in der Schweiz vom Aussterben bedroht.

Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, lanciert AbeilleSuisse, der Dachverband der Imkersektionen, eine Wohnplattform für Bienen. Martin Schwegler, Zentralpräsident von AbeilleSuisse, erklärt uns, wie man Bienen bei der Suche nach Wohnraum und Nahrung unterstützen kann.

Samstag, 15.04.23, Grindelwald, chrisroosfotografie.ch (2023)

Martin Schwegler, Präsident von AbeilleSuisse.

Herr Schwegler, warum fehlt es den Bienen an Nahrung und Lebensraum?
Dies ist vor allem auf die Urbanisierung, die intensive Landwirtschaft und die Rodung von Kulturlandschaften zurückzuführen, die zum Zweck einer flächenintensiveren Nutzung zerstört oder in einen unnatürlichen Zustand zurückversetzt wurden.

„Auch das Angebot an Blumen ist deutlich zurückgegangen“

Aber die Anwesenheit von Pollen wird immer intensiver und hält auch länger an?
Die Blumenvielfalt im Frühling täuscht – wenn im Juni Wiesen gemäht werden, Obstbäume und Rapsfelder verdorren, finden Wild- und Honigbienen kaum Nahrung. Wir sprechen dann von einer grünen Wüste.

Honigflora

Honigpflanzen sind Pflanzen, die reichlich Nektar und Pollen von guter Qualität produzieren und für Bienen zugänglich sind.

Wo mangelt es am meisten an Nahrung und Lebensraum?
In eintönigen Landschaften mit intensiver Landwirtschaft und an Orten, an denen der Boden stark versiegelt ist. Auch Gärten mit englischem Rasen und wenigen einheimischen Pflanzen sind für Bienen unattraktiv.

Wo geht es den Bienen in der Schweiz am besten?
Wild- und Honigbienen fühlen sich dort wohl, wo es möglichst viel Nahrungsvielfalt in Form heimischer Blumen gibt. Da viele Wildbienen keine langen Flugstrecken zurücklegen, benötigen sie zusätzlich Nistmöglichkeiten in der Nähe, wo sie ihre Brut aufziehen können, in Totholz, offenen Stellen am Boden oder abgestorbenen Pflanzenstängeln – auch diese fehlen in der heutigen Landschaft.

Wofür?
Das liegt vor allem daran, dass wir dazu neigen, alles zu reinigen. Im Garten werden abgestorbene Pflanzenstängel im Herbst abgeschnitten, braune Flächen am Boden sollten umgehend bepflanzt oder mit Rasen abgedeckt werden. Selbst Totholz wird oft als unansehnlich angesehen und entsorgt. Zusammenfassend: Sie benötigen strukturreiche Landschaften, die ein Mosaik aus verschiedenen Elementen wie Blumen, Hecken, offenen Bodenflächen und Totholz bieten.

Mehr Blumen für die Bienen.

Mehr Blumen für die Bienen.Bild: bienenschweiz

Was können wir tun, um Bienen zu helfen?
Wir alle können die Blumenversorgung verbessern, selbst ein kleiner Topf mit einheimischen Blumen auf dem Balkon kann für diese begeisterten Bestäuber eine wertvolle Pollen- und Nektarquelle sein. Weniger ist oft mehr: Ein etwas unordentlicher Garten bietet wertvollen Lebensraum. Mit totem Holz, abgestorbenen Pflanzenstämmen, offenen Bodenstämmen und blühendem „Unkraut“.

Welche Blumen eignen sich hierfür am besten?
Einheimische Pflanzen sind bienenfreundliche Pflanzen. Ein Vorteil heimischer Wildpflanzen besteht darin, dass wir bestimmte spezialisierte Wildbienenarten gezielt fördern können.

„In der Schweiz zum Beispiel sind sechs Wildbienenarten auf Glockenblumenblüten spezialisiert“

Das bedeutet, dass diese Wildbienen wie die Blauglockenscherenbienen (Chelostoma rapunculi) ausschließlich Pollen dieser Pflanze für ihren Nachwuchs sammeln. Bei rund dreißig einheimischen Glockenblumenarten ist für jeden etwas dabei.

Gibt es noch andere?
Sehr pflegeleicht sind beispielsweise die Pfirsichblättrige Glockenblume, die Brennnesselglockenblume (ideal für schattige Plätze) oder die Rundblättrige Glockenblume. Letztere ist eine echte Dauerblüherin und gedeiht sowohl in der Sonne als auch im Halbschatten. Und sie haben noch einen weiteren Vorteil.

Welche?
Sie können mehr als nur Nahrung bieten: Blumen bieten Wildbienen einen geschützten Rastplatz, der manchmal sogar von mehreren Individuen gleichzeitig genutzt wird.

„Mit Glockenblumen wird Ihr Balkon Tag und Nacht Bienen erfreuen“

Lila Glockenblumen.

Lila Glockenblumen.Bild: Shutterstock

Lohnt es sich, einen Bienenstock zu kaufen?
Sogenannte Bienenhotels bevorzugen ausschließlich Arten, die in hohlen Stängeln von Pflanzen nisten. Allerdings nisten 75 % der Wildbienen im Boden und sind besonders bedroht. Neben dem berühmten „Hotel“ für Insekten ist auch das „Restaurant“ unverzichtbar. Ein Bienenhotel oder eine Nistmöglichkeit ist nur dann sinnvoll, wenn in der Nähe ausreichend Nahrung in Form von blühenden Pflanzen vorhanden ist.

Neue Plattform für Bienen

Nicht nur Menschen leiden unter Wohnraummangel, auch Bienen leiden unter einem gravierenden Lebensraummangel. Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, hat AbeilleSuisse unter immobienen.ch die erste Wohnplattform für Bienen lanciert. Die Seite, nur auf Deutsch, ist als Immobilienplattform konzipiert. Auf einer Karte können Sie den Umfang des Nahrungsangebots und die Anzahl der Nistplätze erkennen. Es besteht die Möglichkeit, eine „Immobiene“ zu kaufen oder zu mieten.

Was passiert, wenn das Bienensterben anhält? Unsere Bienen sind für das reibungslose Funktionieren des Ökosystems von entscheidender Bedeutung. Sie bestäuben Wildpflanzen, aber auch einen Großteil unserer Kulturpflanzen. Ohne die Bestäubung durch Bienen und andere Insekten würden die Ernteerträge stark zurückgehen.

Haben Bienen eine starke Stimme in der Politik?
AbeilleSuisse ist politisch aktiv und setzt sich dafür ein, dass auch die Politik unsere Bemühungen unterstützt. Ein Antrag von Ständerat Peter Hegglin, selbst Imker, wird in der Sommersession behandelt. Ziel des Antrags ist es, die Bestäubung von Pflanzen sicherzustellen, was insbesondere die Überwachung von Bienen sowie die Stärkung der Bestäubungsforschung umfasst.

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