Zürich und Bern wollen die Untersuchungshaft reformieren

Zürich und Bern wollen die Untersuchungshaft reformieren
Zürich und Bern wollen die Untersuchungshaft reformieren
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Die Kantone Zürich und Bern wollen die Untersuchungshaft reformieren, um die mit der Inhaftierung verbundenen Schäden zu vermeiden. Sie starteten ein vom Bundesamt für Justiz unterstütztes Pilotprojekt.

Das Pilotprojekt zur Untersuchungshaft wurde am Dienstag im Ausbildungsgefängnis Meilen (ZH) von Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr und ihrem Berner Amtskollegen Philippe Müller ausführlich vorgestellt. Es handele sich um ein Pilotprojekt „für die Schweiz“, gaben die beiden Kantone an einer gemeinsamen Pressekonferenz bekannt.

Mit diesem Projekt wollen die Kantone Bern und Zürich mit der „Untersuchungshaft von morgen“ experimentieren. Ziel ist es herauszufinden, wie die Untersuchungshaft systematischer darauf ausgerichtet werden kann, die schädlichen Auswirkungen der Inhaftierung zu verhindern.

Job, Wohnen, Beziehungen

Ziel sei es, Menschen in Untersuchungshaft dabei zu helfen, ihre Mittel, ihren Arbeitsplatz, ihre Wohnung oder ihre Beziehungen aufrechtzuerhalten, um ihnen im Hinblick auf ihre künftige Wiedereingliederung bessere Bedingungen zu verschaffen, erklärte die Vorsteherin des Zürcher Justizdepartements Jacqueline Fehr. Damit wolle man Schäden im Zusammenhang mit der Inhaftierung und die damit verbundenen Kosten vermeiden, erklärte der für Sicherheit zuständige Berner Staatsrat Philippe Müller.

Für Personen in Sicherungsverwahrung gilt die Unschuldsvermutung, da sie noch nicht gerichtlich verurteilt wurden. Dennoch sind sie in einem sehr restriktiven Umfeld untergebracht, das ihre Kontakt- und Aktivitätsmöglichkeiten stark einschränkt.

Das Pilotprojekt umfasst sechs Handlungsfelder. Die erste sieht vor, dass während der ersten drei Tage der Sicherungsverwahrung ein Gespräch mit Fachkräften durchgeführt wird, um die Situation des Betroffenen (wohnliche und berufliche Situation) zu beurteilen.

Stressbewältigung

Der zweite Punkt ist die Umsetzung des Programms „Prison Stress Management“ (PRISMA), das Gefangene in die Lage versetzen soll, ihren Stress und ihre Probleme zu bewältigen. Dieses Programm wurde ursprünglich von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Berufe mit hoher Belastung entwickelt. Es wurde für den Einsatz in Gefängnissen angepasst.

Der dritte Punkt ist ein Schulungsprogramm, um dem Gefängnispersonal beizubringen, wie es die Beziehungen zu den Insassen am besten pflegt. Diese Ausbildung findet in der Justizvollzugsanstalt Meilen statt. Die vierte Komponente zielt darauf ab, den Kontakt zwischen Gefangenen und ihren Angehörigen zu fördern.

Übergang

Das fünfte Thema ist die Bewältigung des Übergangs zwischen Gefängnis und Rückkehr in die Freiheit bzw. Verbüßung einer Strafe. Fachkräfte begleiten diesen Übergang professionell. Der letzte Aspekt besteht darin, ein stärkeres Fallmanagement zu entwickeln. Dabei geht es darum, eine intensive Zusammenarbeit zwischen Unterstützungsdiensten, Sozialdiensten und Gesundheitsdiensten zu etablieren.

Das Pilotprojekt ziele auch darauf ab, die erprobten Massnahmen auf andere Kantone übertragen zu können, erklärte Projektleiter Stefan Tobler. Der Test wird von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und der Universität Zürich evaluiert.

/ATS

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