Bundestrainer Nagelsmann kämpft nach EM-Aus mit den Tränen

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Bundestrainer Julian Nagelsmann kann seine Enttäuschung nicht verbergen.bild: Screenshot ard

Die Enttäuschung nach dem Viertelfinal-Out an der Heim-EM ist bei den Deutschen gross. «Ein gutes Turnier gespielt» und «unverdient verloren» lautet der Tenor nach dem knappen 1:2 gegen Spanien nach Verlängerung.

05.07.2024, 22:3605.07.2024, 22:56

Julian Nagelsmann sprach mit ruhiger Stimme, doch emotional wirkte der deutsche Bundestrainer schwer mitgenommen. Aus den Boxen dröhnte laute Partymusik, als Nagelsmann versuchte, das EM-Aus der Gastgeber gegen erneut unschlagbare Spanier irgendwie zu erklären. «Heute war es nicht verdient», sagte Nagelsmann bei MagentaTV. «Wir haben mehr investiert, aber am Ende sind sie die Glücklicheren.»

Bei der ARD kämpfte Nagelsmann gar mit den Tränen und die Worte fielen ihm sichtlich schwer. «Ich kämpfe auch mit den Tränen», beginnt Nagelsmann. Er stockt kurz, dann sagt er: «Wenn man die Jungs erzählen hört über die letzten Wochen … Das war schon eine besondere Zeit, die jetzt vorbei ist.» Auch Zuspruch von Moderatorin Esther Sedlaczek und Experte Bastian Schweinsteiger halfen da nicht mehr.

Nagelsmann über das Spiel:

«Die Jungs haben unverdient verloren. Wir waren dem Siegtreffer deutlich näher als die Spanier. Am Ende waren wir nicht zwingend viel besser, aber einen Tick klarer im letzten Drittel. Es tut weh, weil wir es erst in zwei Jahren besser machen können. Und ein Heimturnier wird in meiner Karriere wohl nicht nochmal kommen. Wenn wir wieder lustlos aufgetreten wären, wäre es verdient und dann müssten wir nicht hier stehen und mit den Tränen kämpfen.»

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Ein konsternierter Julians Nagelsmann nach Spielschluss.bild: Screenshot ard

Ob er in der Kabine die richtigen Worte gefunden habe, wisse er nicht, sagte Nagelsmann zur Stimmung in der Kabine. «Wir haben ein Land, das in meinen Augen zu viel in Tristesse versinkt, wieder geweckt. Wir haben Menschen vor den TV geholt, die uns zuletzt nicht mehr zugeschaut haben», erklärte der Bundestrainer mit wässrigen Augen. In der Kabine waren auch Toni Kroos zu seinem Abschied und Joshua Kimmich für die aufbauenden Worte verantwortlich, wie Nagelsmann berichtete. Auch dort seien Tränen geflossen.

Nagelsmann zur Elfmeter-Szene:

«Wenn der Ball klar aufs Tor geht, dann stoppt er den Ball mit der Hand. Das finde ich total skurril im Fussball, dass die Intention der Aktion überhaupt nicht bewertet wird. Dass man das nicht hinkriegt, zu bewerten, wo der Ball hinfliegt, wenn man 48’000 Wiederholungen hat, das kann ich nicht nachvollziehen.»

An der Pressekonferenz fordert Nagelsmann eine neue Handspielregel.Video: SRF

Der 34-jährige Kroos erlebte gegen Spanien sein letztes Spiel als Profi – und es endete auf die schmerzhafteste Art und Weise. «Wir hätten ihm gerne einen schöneren Abschied beschert, weil er es verdient hätte», sagte Nagelsmann über Kroos. «Er ist einfach ein toller Typ mit einer aussergewöhnlichen Karriere, Vorbild für viele.»

Toni Kroos über das EM-Aus:

«Wir haben alles gegeben und waren sehr nah dran – umso bitterer ist es. Ich denke, dass wir alle stolz sein können, weil jeder nochmal eine Schippe drauflegen konnte. Ich denke, dass wir alle stolz sein können, weil wir Fussball-Deutschland die Hoffnung zurückgeben konnten. Aber wir sind extrem enttäuscht, weil wir noch etwas weiter kommen wollten. Ich bin froh, wenn ich da ein bisschen mitgeholfen habe, dass wir alle in Deutschland den Anspruch und die Hoffnung haben, weiterzukommen. Ich bin zuversichtlich, dass die Mannschaft das in Zukunft schafft. Aber es gehört auch dazu, dass wir heute alle traurig sind.»

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Toni Kroos im Interview nach dem EM-Aus gegen Spanien.Video: SRF

Auch bei den Tausenden Fans auf den Tribünen des Stuttgarter Stadions und in den Fanzonen im ganzen Land waren die Tränen geflossen. Der Traum vom vierten EM-Titel ist nach drei beschwingten Wochen mit Torfesten und mitreissenden Spielen zwei Schritte vor dem Final vorüber. «Die Enttäuschung ist riesig, so eine Heim-EM kommt nur einmal im Leben», sagte Kimmich. «Viel können wir uns nicht vorwerfen, ausser, dass wir die Chancen nicht gemacht haben. Bitter, sehr bitter.»

Kimmich über das Spiel:

«Leider sehr ungerecht. In der zweiten Halbzeit und der Verlängerung waren wir deutlich besser. Die Spanier wollten sich nur noch ins Elfmeterschiessen retten. Wir haben nach dem Gegentor noch zwei richtig gute Chancen, hätten noch einen Handelfmeter bekommen müssen. Definitiv eine ganz andere Enttäuschung als in Katar. Dort waren wir kein Team, das ist diesmal ganz anders. Die letzten sechs Wochen waren ganz besonders, der Teamspirit, den wir hatten. Das habe ich noch nicht so oft erlebt. Deswegen ist die Enttäuschung noch grösser als bei den anderen Turnieren.»

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«Wir haben alle alles reingelegt, um nicht zu verlieren. Da waren wir sehr nah dran, umso bitterer ist es», sagte Kroos. «Im Moment überwiegt das Turnier-Aus, das steht im Vordergrund, weil wir alle gemeinsam ein grosses Ziel hatten. Dieser Traum ist ein Stück weit geplatzt, auch wenn wir in den nächsten Tagen realisieren, dass wir ein gutes Turnier gespielt haben.» Es gehöre dazu, «dass wir alle extrem traurig sind».

Kroos über sein letztes Spiel:

«Jetzt im Moment überwiegt das Turnier-Aus, weil wir alle gemeinsam ein grosses Ziel hatten. Und dieser Traum, den wir alle hatten, ist jetzt einfach ein Stück weit geplatzt. Auch wenn wir in den nächsten Tagen realisieren, dass wir ein gutes Turnier gespielt haben. Es ist extrem bitter.»

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epa11460454 Deutschlands Cheftrainer Julian Nagelsmann (R) reagiert mit Spieler Joshua Kimmich nach dem Viertelfinalspiel der UEFA EURO 2024 zwischen Spanien und Deutschland am 5. Juli in Stuttgart ...

Nagelsmann versucht, Joshua Kimmich zu trösten.Bild: keystone

Die Leistungen der letzten Wochen und Monate werden aber Deutschland helfen. Das Potenzial mit dem gegen Spanien für einmal nicht so einflussreichen Jamal Musiala und dem nach seiner Einwechslung überragenden Florian Wirtz hat die Mannschaft von Nagelsmann.

Füllkrug über das EM-Aus:

«Es ist einfach gerade traurig, dass es vorbei ist. Man hatte eine Euphorie, ein Gemeinschaftsgefühl im Land. Im Moment ist noch kein Stolz da, es ist vorbei. Von Sekunde zu Sekunde ist es härter, es zu realisieren. Gerade gibt’s keinen Ausweg, seinen Gefühlen aus dem Weg zu gehen. Letztendlich hilft gerade gar nichts. Es ist brutal schwer, damit umzugehen. Da helfen auch keine Ausreden. Es wird ein bisschen Zeit brauchen.»

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Und am Freitagabend zeigte sie zudem Tugenden, die man von den deutschen Nationalspielern zuletzt eher selten an grossen Turnieren gesehen hatte, nämlich Entschlossenheit und Wettkampfhärte. Die Heim-EM mag vorbei sein, die WM 2026 in den USA kündigte sich für sie vielversprechend an. (pre/sda)

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