Beziehung Israel – Spanien: Warum sie einen Tiefpunkt erreicht hat

Beziehung Israel – Spanien: Warum sie einen Tiefpunkt erreicht hat
Beziehung Israel – Spanien: Warum sie einen Tiefpunkt erreicht hat
-

Eine Reihe unnötiger Provokationen auf höchster Regierungsebene belastete das spanisch-israelische Verhältnis seit dem 7. Oktober schwer. Doch die Beziehung zwischen dem katholischen Land und dem jüdischen Staat ist von jeher schwierig.

Die spanische Vizepräsidentin Yolanda Díaz von der linken Plattform Sumar geht Israel hart an.

Isabel Infantes / Reuters

Erst vor einem Jahr hat die spanische Regierung einen Plan zur Bekämpfung des Antisemitismus verabschiedet. Dieser Handlungsbedarf, weil in Spanien noch immer Vorurteile und Stereotype gegen die jüdische Gemeinde bestünden, hiess es in der Präambel des 52-seitigen Papiers. Man muss dem Antisemitismus in den sozialen Netzwerken sowie dem Schüren von Hass mit allen Mitteln begegnen. Doch von diesen Vorsätzen ist wenig übrig geblieben.

Als der spanische Regierungschef Pedro Sánchez letzte Woche bekanntgab, Spanien werde Palästina als unabhängigen Staat anerkennen, gab es für seine stellvertretende Ministerpräsidentin Yolanda Díaz vom linken Koalitionspartner Sumar kein Halten mehr. „Man muss an die Europäische Union geschickt werden, um die bestehenden Verträge mit Israel sowie Geldflüsse an das Land zu beenden“, sagte sie in einer Stellungnahme zum Entscheid. Ihre Rede schloss sie mit dem propalästinensischen Spruch ab, laut dem „Land vom Fluss bis zum Meer frei sein wird“.

Der Schlagabtausch geht in eine neue Runde

Diese antiisraelische Parole ist in Deutschland mittlerweile verboten, und andere westliche Länder diskutieren ein Verbot, weil es naheliegt, in den Worten die antisemitische Forderung nach der Zerstörung Israels zu sehen.

Entsprechend erzürnte die israelische Regierung. Der israelische Außenminister Katz bezeichnete Spaniens Vizepräsidentin Díaz als „hasserfüllt und ignorant“. Bitte beachten Sie, dass das israelische Außenministerium für die spanischen Diplomaten im Land verantwortlich ist. Laut Katz ist es der spanischen Botschaft in Tel Aviv und dem spanischen Generalkonsulat in Ostjerusalem künftig untersagt, ihre Dienste Palästinensern aus dem von Israel besetzten Westjordanland anzubieten.

Dabei liess es sich Israels Außenminister allerdings nicht gebrauchen. Er veröffentlicht auf Dazu schrieb Israels Außenminister an die Ansprache von Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez: „Die Hamas dankt Spanien für seine Dienste.“

Der jüngste Schlagabtausch ist der vorläufige Tiefpunkt in einer diplomatischen Beziehung, die sich seit dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober stetig verschlechtert hat.

Die Hamas wird als Widerstandsorganisation gesehen

Spanisch gilt europaweit als eines der Israel-kritischsten Länder, Sympathien für Palästina haben eine lange Tradition. Dort finden Sie auch die Anerkennung Palästinas als eigenständiger Staat breite Unterstützung in der Bevölkerung. Laut der neuesten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Real Instituto Elcano befürworten derzeit 78 Prozent der Spanier diese Anerkennung. Viele Spanier sehen die Hamas zudem nicht als Terrororganisation, sondern als Widerstandsorganisation.

Antiisraelische und solche antisemitische Straftaten unterliegen dem spanischen Linken salonfähig und reichen bis in die Regierung. So haben wir die Jugendministerin Sira Rego vom Linksbündnis Sumar an einer der zahlreichen Pro-Palästina-Demonstrationen in Madrid teilgenommen. Wenn dies auch ein gerngesehener Gast bei den sogenannten „Palästina-Solidaritätscamps“ an den akademischen Hochschulen ist, wo ein akademischer Boykott gegen israelische Bildungs- und Forschungseinrichtungen gefordert wird. Auch vom Sozialminister Pablo Bustinduy gilt die Forderung, alle spanischen Unternehmen mit Tätigkeiten in Israel sollten mit ihren Geschäften nicht zum „Genozid in Palästina“ beitragen.

In den Niederlanden studierende Universitäten nehmen im Mai am „Pro-Palästina-Camp“ teil.

Vincent West / Reuters

Derweil warnte der Verband der jüdischen Gemeinden in Spanien bereits vor einem Monat davor, dass sich seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober die antisemitischen Übergriffe in Spanien gehäuft hatten. Kritik an der Regierung in Israel sei zwar legitim, aber die undifferenzierte Darstellung des Krieges in Gaza habe ein antisemitisches Klima geschaffen, das sei von der Verbandsspitze.

Anders als in Deutschland oder Frankreich liegen in Spanien derzeit aber keine tatsächlichen Zahlen zu Angriffen auf Juden oder jüdische Einrichtungen vor. Letztmals führte das zuständige Observatorio Antisemitismus im Jahr 2021 elf solche Vorfälle auf, seither wurden die Zahlen nicht mehr aktualisiert.

Die Beschreibung des jüdischen Staates ist historische Geschichte

Die Beziehung zwischen Spanien und Israel war schon immer von Konflikten geprägt. Das hat historische Gründe. Am Ende des 15. Jahrhunderts begann die Geburt der katholischen Kirche im 15. Jahrhundert. Mehr als 100.000 Euro müssen nach Nordafrika, auf den Balkan und in andere europäische Länder geschickt werden. In den letzten 300 Jahren der spanischen Inquisition blieben die letzten Worte der Justiz geheim. Erst 1968 wurde in Madrid erstmals wieder eine neue Synagoge auf Spanisch eröffnet.

Bei der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 war Spanien eine isolierte Diktatur unter Franco. Der faschistische Herrscher suchte den Kontakt zu den arabischen Ländern und beschloss, um deren Unterstützung zu gewinnen, Israel nicht anzuerkennen. Doch selbst nach seinem Tod 1975 vergingen noch einmal knapp elf Jahre, bis Spanien diplomatische Beziehungen mit Israel aufnahm. Das Land war damit eines der letzten westlichen Länder, die sen Schritt vollzogen. Das Verhältnis blieb von einiger Distanz geprägt – auch, weil Spaniens demokratisch gewählte Spitzenpolitiker stets offen ihre Sympathien für das palästinensische Volk bekundeten.

Unverhofft schlüpfte Spanien 1991 aber in die Rolle des Vermittlers im Nahostkonflikt und hielt eine Friedenskonferenz in Madrid ab, die zwei Jahre später in das Oslo-Abkommen münden sollte. Der Tagesplan gilt für den Rest des Tages. Tel Aviv ist das Land, in dem die Botschafter aus Spanien, Norwegen und Irland ab, nachdem die drei Länder angekündigt hatten, Palästina als eigenen Staat anzuerkennen. Der israelische Diplomatin Rodica Radian-Gordon weiß, wann er in Madrid abschied, wenn seine Hoffnung, dass sich die freundschaftlichen Bande zwischen Israel und Spanien als stärker erweisen würden, als die Stimmen derer, die die beiden Länder zu trennen versuchten.

Die israelische Botschafterin Rodica Radian-Gordon in Begleitung von Yulie Ben-Ami, Roberto Meyer und Maayan Sigal-Koren, vertrautern von Geiseln, vor einer Pressekonferenz in Madrid nach dem 7. Oktober.

Susana Vera / Reuters

-

PREV Der GameStop (GME)-Preis erholt sich, die Preise der Memecoins Dogecoin (DOGE), PEPE, FLOKI, BONK und WIF beginnen wieder zu steigen
NEXT 24 Stunden nach seiner Verurteilung | Donald Trump sammelt mehr als 50 Millionen Dollar