Iran: Neuer Präsident strebt Ende der Sanktionen und Ölrabatt an

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Masoud Pezeshkian, ein ehemaliger Gesundheitsminister und überzeugter Reformist, gewann die Präsidentschaftswahl im Iran und besiegte den Konservativen Saeed Jalili. Pezeshkian hat versprochen, das Atomabkommen mit dem Westen wiederzubeleben und die internationalen Sanktionen aufzuheben, die die iranische Wirtschaft schwer belasten. Dieses Engagement stellt einen bedeutenden Bruch mit der Politik seines Vorgängers Ebrahim Raisi dar, der eine Wirtschaft des Widerstands und enge Beziehungen zu Russland und China favorisierte.
Pezeshkian, 69, kritisierte die derzeitige Regierung dafür, dass sie iranisches Öl unter dem Marktpreis verkaufe, was er als großen Verlust für die Wirtschaft des Landes ansieht. In einer Fernsehdebatte vor seinem Sieg betonte er die Notwendigkeit von Exportwachstum und Auslandsinvestitionen, um eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung zu erreichen.

Mögliche Auswirkungen auf den Ölmarkt

Trotz der US-Sanktionen bleibt der Iran ein wichtiger Lieferant von schwerem Rohöl in Asien, insbesondere für unabhängige chinesische Raffinerien in der Provinz Shandong. Laut Daten von S&P Global Commodity Insights stiegen die Importe iranischen Rohöls nach China im Juni um 4,3 % und erreichten ein Achtmonatshoch. Die iranischen Exporte stiegen im ersten Halbjahr dieses Jahres um 20 % auf durchschnittlich 1,5 Millionen Barrel pro Tag.
Allerdings schätzen die Analysten von S&P Global Commodity Insights, dass die iranische Rohölproduktion bis Ende 2025 stabil bei 3,2 Millionen Barrel pro Tag bleiben wird, obwohl Iran erklärte Ambitionen hat, diese Produktion auf 4 Millionen Barrel pro Tag zu steigern. Sie prognostizieren außerdem, dass die Raffineriekapazität des Iran bis Ende 2025 etwa 2,3 Millionen Barrel pro Tag erreichen wird.

Sanktionen und internationale Zusammenarbeit

Pezeshkian betonte auch die Schwierigkeiten, die Sanktionen bei der Anziehung ausländischer Investitionen, insbesondere aus China, mit sich bringen. Da Iran weiterhin auf der schwarzen Liste der Financial Action Task Force (FATF) steht, konnte noch kein Kooperationsabkommen zwischen Iran und China geschlossen werden. Diese Situation erschwert kommerzielle Partnerschaften und den Import von Technologien, die für die Modernisierung der iranischen Ölindustrie unerlässlich sind, deren Effizienz durch veraltete Technologien stark beeinträchtigt wird.
Trotz dieser Herausforderungen könnte Pezeshkians Präsidentschaft einen bedeutenden Wandel in der iranischen Außenpolitik bedeuten, der darauf abzielt, die Beziehungen zum Westen zu verbessern und die Sanktionen zu lockern. Dennoch liegt die endgültige Richtung der iranischen Politik weiterhin unter der Kontrolle des Obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei, was den direkten Einfluss der Präsidentschaft auf die Fundamentaldaten des Ölmarkts und die Anlegerstimmung begrenzt.

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