Florian Préclaire, „Allée des Immortelles“ (Actes Sud)

Florian Préclaire, „Allée des Immortelles“ (Actes Sud)
Florian Préclaire, „Allée des Immortelles“ (Actes Sud)
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Inspirierende Vorfahren. „Familien, ich hasse euch! “, Gide verkündet. Während geliebte Menschen der fruchtbare Nährboden für Neurosen sind, sind Vorfahren für manche eine Quelle der Inspiration. Wurzeln sind auch identitätsstiftend und können die Fantasie beflügeln. In seinem ersten Roman Der Reiter von Saumur, Florian Préclaire sprach über dieses legendäre Paar, das aus seinem Großvater, einem Veteranen des Ersten Weltkriegs, und seiner Großmutter, der Viscountess, bestand. Der Erzähler erzählte von der existenziellen Fahrt des Reiters. Hier sind es die Verwandten auf der Frauenseite, auf die sich die Autorin konzentriert.Gasse der Unsterblichen. Hier sind wir sozusagen auf der Guermantes-Seite – dem aristokratischen Teil der Zweige des Stammbaums des Schriftstellers. Wie in Prousts Welt ist es in Wahrheit gemischter: die besagte Viscountess, zukünftige Frau des Charmanten „Einzelkämpfer unter seinesgleichen“, hat durch seine Mutter bürgerliche Vorfahren. Aber die Vererbung, die in diesem zweiten Roman dargestellt wird, ist wie ein weiterer Teil des Diptychons der Begegnung zwischen Marie-Thérèse Cauvet de Blanchonval und René-Frantz, „dem Kavalier von Saumur“., Dabei geht es nicht so sehr um die Adelsbezirke, sondern vielmehr um einen ausgeprägten Kunstgeschmack. Marie-Thérèses Mutter war Bildhauerin – keine Berufstätige, Frauen in diesem Umfeld arbeiten nicht. Die Tochter, frühe Waise dieser Künstlermutter, wird wiederum Malerin. Zwischen Bestrebungen, die oft durch Konventionen verhindert werden, und Sensibilität, die auch nach der Schönheit der Seelen strebt, stellt Florent Préclaire mit ebenso lebendigen wie bescheidenen Akzenten ein zartes Bild dieser Linie einzigartiger Frauen wieder her.

Florian Preclaire
Gasse der Unsterblichen
Südgesetze
Auflage: 3.000 Exemplare.
Preis: 19 €; 176 S.
ISBN: 9782330193263

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